Woher komme ich? Wer bin ich? Wohin gehe ich?

„Werden, Sein, Vergehen“, diese drei grossartigen Gemälde des Malers Segantini sind vielen bekannt und in St. Moritz zu bestaunen. Weniger kennt man das 3,75 Meter breite Bild des Südsee-Malers Paul Gauguin. Man müsste ja bis Boston in die USA reisen um sich dieses in Natura anzusehen.

An der linken oberen Ecke des Gemäldes hat Gauguin drei Fragen für
sich oder für den Bildbetrachter hingesetzt: Woher kommen wir? Wer
sind wir? Wohin gehen wir? Beide Künstler haben am Ende ihres Lebens
diese Werke gemalt und wohl damit über das Leben nachgedacht.

Woher komme ich?


Mit zunehmendem Alter geht es mir so, dass ich mehr über die eigenen Omas und Ur-Opas erfahren möchte. Der Rückblick hilft mir, mich selbst etwas besser zu verstehen. Doch bei unserer Frage geht es um viel mehr, nämlich um die Frage nach dem Ursprung des Menschseins.

Wer oder was hat uns erfunden? Es ist ja interessant, dass wir in unserer nachchristlichen Zeit immer noch gerne Begriffe wie Schöpfung und Schöpfer verwenden. Ganz kommt der Mensch von Gott nicht los. „Was mir an den Atheisten nicht gefällt“, hat Heinrich Böll einmal angemerkt, „sie reden ständig von Gott.“ Ich lese immer wieder von Wissenschaftlern, die sich die Entstehung der Welt nicht vorstellen können, ohne dass dahinter eine Intelligenz, ein Genius, steckt.

Eine Antwort zum „woher“ finde ich bereits im ersten Kapitel der Bibel: „Gott schuf den Menschen in seinem Bild“. Im Gegensatz zum evolutionistischen Modell, welches den Menschen als Produkt einer langen Entwicklung sieht, erhält der Mensch durch den Schöpfungsakt Gottes eine erstaunliche Würde. Wohl deshalb zieht sich die innere Sehnsucht nach Gott wie ein roter Faden, durch die ganze Menschheitsgeschichte.   

Wer bin ich?

Was ist mit dem Menschen los? Während ich schreibe, gibt es nicht weniger als 16 Kriege oder ähnliche Situationen auf dieser Welt!! Wie wird der Mensch so oft würdelos behandelt. Anderseits gibt es viele hilfsbereite Menschen, die enorm viel Gutes tun.

Sind es nur die andern, die zum Bösen fähig sind? Lauert in mir ebenso dieses Potential zum Bösen, vielleicht dank den Umständen, in denen ich lebe, ist es etwas „humaner“, in „homöopathischen“ Portionen? Der amerikanische Philosoph Nicholas Woltersdorff schrieb ernüchternd zum Bösen in uns: „Nun, da wir die Abwesenheit anderer Menschen durch das Telefon überwunden haben, die Tatsache, dass wir keine Flügel besitzen, durch das Flugzeug und die Sommerhitze durch die Klimaanlagen – wenn wir all das und noch mehr überwunden haben, werden doch zwei Dinge bleiben, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen: dem Bösen in unserem Herz und dem Tod.”  

Das Böse zerstört unsere Würde und trennt uns von Gott. Wir sind alle betroffen: „alle haben gesündigt, und in ihrem Leben kommt Gottes Herrlichkeit nicht mehr zum Ausdruck.“ (Bibel, Römerbrief 3,23).  Wie finden wir da heraus? „Was sich keiner verdienen kann, schenkt Gott in seiner Güte: Er nimmt uns an, weil Jesus Christus uns erlöst hat.“ (Römerbrief 3,24) Gott kommt uns Menschen entgegen: „Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verloren geht.“ (Johannes 3,16) Es bedeutet für mich, dass ich mich Gott zuwenden, Ihm vertrauen und glauben kann. Meine Fehler darf ich Jesus übergeben, denn „wenn wir unsere Sünden bekennen, erweist Gott sich als treu und gerecht: Er vergibt uns unsere Sünden und reinigt uns von allem Unrecht, das wir begangen haben.“
(1. Johannesbrief 1,9) Die Beziehung zu Gott ist wieder da.

Wohin gehe ich?

Der Publizist Philip Yancey machte sich Gedanken über unsere Welt: „Wenn ich in der modernen Kultur nach einer Antwort auf die Frage „Warum sind wir hier?“ suche, kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass wir hier sind um zu lachen, Geld zu verdienen, berühmt zu werden und so gut wie möglich auszusehen.“  War‘s das und ist nach dem Tod alles vorbei?

Schon seit Urzeiten ahnt der Mensch, dass der Tod nicht die Endstation ist. Nach dem oben zitierten Bibelvers aus dem Johannesevangelium bietet uns Gott ewiges Leben an, fordert heraus, dies anzunehmen, zu glauben. Eigentlich wissen wir wenig über dieses zukünftige Leben. Es sprengt die Vorstellung von uns Menschen, die noch einem gestern, heute und morgen unterworfen sind. Die kurze Lebenszeit mündet für jenen, der Gottes Offerte angenommen hat, in dieses ewige Leben. Im letzten Buch der Bibel wird es so beschrieben: „ihr Gott wird immer bei ihnen sein. Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine Schmerzen.“ (Offenbarung 21,3-4)

Im „Werden“ empfangen wir Würde,
im „Sein“ erhalten wir Liebe, Vergebung und eine Beziehung zu
Gott,
im „Vergehen“ finden wir eine ewige Hoffnung.
Dies macht unser Leben sinnvoll, froh und wertvoll!

(Jean-Pierre Schwörer)

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